WLV Laufkongress 2026: Zwischen Wüste, Härte und Höchstleistung

  10.03.2026    WLV Top-News WLV Bildung Breitensport Top-News BW-Leichtathletik Bildung BW-Leichtathletik
Am Sonntag, den 8. März 2026, fand in der Molly-Schauffele-Halle in Stuttgart der 11. WLV Laufkongress statt. Der Fortbildungskongress bot einen vielseitigen Mix aus Theorie, Praxis und Austausch.

Mit einem hochkarätigen Programm startete die Veranstaltung in Stuttgart und bot den Teilnehmenden eine abwechslungsreiche Mischung aus Wissenschaft, Praxis und persönlichen Einblicken aus der Welt des Laufens.

Prof. Dr. Steffen Willwacher eröffnete den Tag mit einem spannenden Vortrag über ermüdungsbedingte physiologische und biomechanische Veränderungen beim Laufen. Er erklärte, dass Durability im Laufsport die Fähigkeit beschreibt, Laufökonomie und Technik über die gesamte Dauer eines langen Laufs stabil zu halten. Unter Ermüdung verschiebe sich die biomechanische Arbeitsverteilung: Das Sprunggelenk generiere weniger Energie, während Knie und Hüfte stärker belastet würden. Dies könne sowohl die Effizienz verschlechtern als auch das Risiko für Überlastungen erhöhen. Zudem zeigte Willwacher, wie bereits kleine Technikveränderungen – etwa vermehrte Hüftadduktion oder Knieinnenrotation – sich über tausende Schritte summieren und daher für die Verletzungsprävention besonders relevant sind. Abschließend stellte er Trainingsansätze vor, um Durability gezielt zu verbessern, etwa über ermüdungsorientierte Trainingsreize, kräftigende Fuß‑ und Wadenübungen sowie stabile Hüft‑Rumpf-Arbeit.

Ein besonderes Highlight war die Podiumsdiskussion, in der Alina Reh und Christian Spangenberger sehr persönliche Einblicke in ihren sportlichen Alltag gaben.
Deutlich wurde, wie unterschiedlich ihre Wege sind – und wie ähnlich ihre inneren Herausforderungen. Beide berichteten vom Spannungsfeld zwischen Leistungsdruck, Erwartungen und dem eigenen Körpergefühl. Im Trainingslager finden sie Ruhe, Fokus und bessere Regeneration – Qualitäten, die im Alltag oft verloren gehen. Alina Reh meinte auch „Coach the athlete, not the plan“, damit meinte Alina, dass Trainer:innen den Menschen und seine aktuelle Situation in den Mittelpunkt stellen sollten – nicht den starren Trainingsplan. Wenn etwas nicht passt, wird der Plan angepasst, nicht der Athlet gezwungen, ihn trotzdem umzusetzen. Zentrale Botschaft: Selbstfürsorge, klare Kommunikation und das Hören auf die Signale des eigenen Körpers sind entscheidend. „Weniger ist mehr“ sei kein Rückschritt, sondern die Basis langfristiger Stärke. Einer der emotionalsten Momente entstand, als Spangenberger schilderte, was in seinem Kopf während einer Etappe passiert: Von absoluter innerer Stille bis zum lauten Chor innerer Stimmen – und wie er gelernt hat, mit ihnen zu arbeiten. 

Im Workshop von Christian Spangenberger drehte sich alles um mentale Stärke. Themen wie klare Zielsetzung, Rennstrategie und Selbstmanagement unter Belastung standen im Mittelpunkt. Die zentrale Frage: „Was tue ich, wenn niemand zuschaut?“. Der Workshop verband inspirierende Impulse mit praktischen Übungen. Am Ende entwickelten die Teilnehmenden ihre eigene mentale Toolbox für Training und Wettkampf.

Olga Hutka demonstrierte in ihrem Workshop die Wirkung des Spinefitters. Durch die Anordnung der Bälle und gezielte Bewegungen können Verspannungen und fasziale Verklebungen gelöst werden. Die Übungen sprechen zudem das vegetative Nervensystem an – mit dem Ziel, Muskeltonus zu reduzieren und körperliche wie mentale Entspannung zu fördern.

Luis Mayer widmete sich dem Iliosakralgelenk, einer zentralen Verbindung zwischen Ober- und Unterkörper. Er erklärte, welche Stoß-, Rotations- und Scherkräfte beim Laufen auf den unteren Rücken wirken und wie Dysbalancen oder mangelnde Rumpfstabilität zu Beschwerden führen können. Praktische Übungen mit Faszienrolle und Theraband zeigten, wie effektiv funktionelles Training hier unterstützen kann.

Unter dem Motto „Berg, Bank, Baum – Rumpfstabilität beim Laufen“ führte Alexandra Ebert durch einen abwechslungsreichen Workshop. Nach einem theoretischen Überblick über die Aufgaben der Rumpfmuskulatur folgte eine Vielzahl funktioneller Übungen mit dem eigenen Körpergewicht – wichtig für sauberen Abdruck, stabile Technik und Verletzungsprophylaxe.

Dorothea Lorenz stellte die japanische Lauftechnik Slow Jogging vor. Die Teilnehmenden übten den typischen Mittelfußaufsatz, kurze Schritte, hohe Schrittfrequenz (ca. 180) und das sogenannte „Niko‑Niko‑Tempo“ – ein angenehmes, lächelndes Lauftempo. Ziel: entspannt, effizient und gesund laufen.

Wir bedanken uns ganz Herzlich bei allen Teilnehmenden und Referierenden !