Jonathan Hummel – der Höhenjäger
„Im Sommer möchte ich mindestens 5,30 Meter springen“ sagt Hummel. Am besten bei den U18-Europameisterschaften im Juli in Rieti (Italien). „Mit dieser Höhe hätte ich gute Chancen auf eine Medaille“, sagt er, „der Traum wäre natürlich der Titel des U18-Europameisters mit mehr als 5,43 Metern.“ Diese Höhe ist deutscher U18-Rekord, gehalten von Daniel Clemens seit 2009. Das ist das Jahr, in dem Jonathan Hummel geboren wurde.
Steile Entwicklungskurve
So wie sich Jonathan Hummel in den vergangenen Jahren entwickelt hat, ist ihm ein solcher Sprung durchaus zuzutrauen. Mit 14 Jahren war er in seiner ersten Hallensaison als Stabhochspringer 3,80 Meter gesprungen. Im Sommer überquerte er schon 4,46 Meter. Das war zu diesem Zeitpunkt deutsche Bestleistung. „Ein Jahr davor hatte ich noch nicht einen Stab in der Hand gehabt“, erzählt er mit einem großem Grinsen im Gesicht. Bei den Deutschen U16-Meisterschaften belegte er dann Platz drei. Im vergangenen Jahr wurde er in Bochum mit 4,85 Metern Deutscher U18-Meister.
Begünstigt hat diese sportliche Entwicklung auch die körperliche Konstitution von Jonathan Hummel. Wenn er bei einem Wettkampf neben seinen Mitspringern steht, überragt er diese deutlich. 1,87 Meter sei er aktuell groß. Seit etwa einem Jahr, so berichtet er, sei er nur noch minimal gewachsen. „Viel größer möchte ich auch nicht mehr werden“, meint er. Einfluss darauf hat er allerdings keinen.
Schnelligkeit, Sprungkraft und Prioritäten
„Jonathan verfügt über eine gute Schnelligkeit und eine natürliche Sprungkraft“, beschreibt die sechsfache Deutsche Stabhochsprung-Meisterin Anjuli Knäsche, die bei der LG Leinfelden-Echterdingen als Trainerin arbeitet, ihren Athleten. Die Schnelligkeit hat Hummel bei den Landesmeisterschaften unter Beweis gestellt. Über die 60 Meter Hürden gewann er in 8,17 Sekunden Zwischen Einspringen und Wettbewerb noch den Titel, in den 200-Meter-Zeitläufen erzielte er in 23,66 Sekunden die neuntschnellste Zeit. „Der Stabhochsprung hat absolute Priorität“, erklärt Knäsche, „in dieser Altersklasse sollen die Athleten, wenn sie die Norm haben, auch noch in anderen Sprint- und Sprungdisziplinen starten.“
Diese Vielseitigkeit kommt dem jungen Athleten entgegen. „Ich wollte unbedingt Zehnkämpfer werden“, erzählt er. Schließlich war er mit 13 Jahren schon 1,70 Meter hoch gesprungen. Doch die Rolle des Höhenjägers im Stabhochsprung gefällt ihm genauso. Wobei seine Trainerin nicht generell ausschließt, dass er einmal einen Zehnkampf absolviert.
Faszination Stabhochsprung und mentale Stärke
„Ich finde es cool, wenn man kopfüber in der Luft steht und dann am Stab entlang nach oben schießt“, beschreibt Jonathan Hummel die Faszination Stabhochsprung. Dann erzählt er voller Stolz, dass er in der Europahalle nach den übersprungenen fünf Metern seinen 4,90 langen Stab für die Versuche über 5,10 Meter zum ersten Mal gegen einen Fünf-Meter-Stab eingetauscht hat. „Als Stabhochspringer muss man bereit sein“, erklärt Coach Knäsche, „sich außerhalb der Komfortzone zu bewegen.“ Das bedeutet, während des Wettkampfes auch mal längere und härtere Stäbe zu benutzen, ohne dass diese zuvor im Training ausprobiert worden wären. „Dazu ist das Mentale unheimlich elementar“, so die Trainerin.
Zum Stabhochsprung ist Jonathan Hummel auf einem etwas kuriosen Weg gekommen. Seine Mutter Sandra hatte sich zu einem Fortbildungslehrgang angemeldet. Der Lehrgang hat zwar nicht stattgefunden, Jonathan erhielt jedoch durch Landestrainer Stephan Munz eine Einführung in den Stabhochsprung. Der erkannte sofort das Talent und empfahl Anjuli Knäsche als Trainerin. „Ich beherrsche als Trainerin nur die Grundlagen des Stabhochsprungs“, sagt Sandra Hummel, „zudem waren bei der SpVgg Weil der Stadt nur wenige der teuren Stäbe vorhanden.“ Also folgte der Wechsel zur LG Leinfelden-Echterdingen. „Ich hätte es nicht besser treffen können“, sagt Jonathan Hummel voller Dankbarkeit, „Anjuli ist eine Toptrainerin in Deutschland.“ Die gibt das Kompliment zurück: „Jonathan ist offen, neugierig und wissbegierig. Er will die Disziplin verstehen.“
Strukturierter Alltag mit klarem Fokus
Seitdem sind die Tage für Jonathan Hummel klar strukturiert und eng getaktet. Bis 15 Uhr besucht er das Technische Gymnasium in Sindelfingen, wo er in zwei Jahren das Abitur machen will. Danach fährt ihn seine Mutter zum Training in die Schauffelehalle nach Stuttgart-Bad Cannstatt. Zwischen 20 und 21 Uhr kommt er zuhause in Weil der Stadt-Schafhausen an. „Für große andere Dinge außerhalb Schule und Training bleibt nicht viel Zeit“, sagt er. Doch das stört ihn nicht. Schließlich geht es bei ihm höher und höher.